Die Wichtel-

            männer

                                  Erzählt von

                            Elisabeth Simon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hendrik Jonas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hend

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war einmal ein armer Schuster. Er hatte nur noch so wenig Leder, dass es gerade für ein einziges Paar Schuhe reichte. Am Abend schnitt er das Leder für die Schuhe zu und legte sich die Arbeit für den nächsten Tag zurecht. Was danach werden sollte, wusste er nicht. Dann ging er zu Bett und schlief ein.

Er war ein frommer Mann und er begann den nächsten Tag wie immer mit einem Gebet. Als er sich an die Arbeit mit dem letzten Paar Schuhe machen wollte, da sah er zu seiner Überraschung, dass die beiden Schuhe schon fertig auf dem Tisch standen. Er betrachtete die Schuhe und sie waren wunderschön gearbeitet.

 

Bald schon kam ein Käufer und wollte diese Schuhe haben. Sie gefielen ihm besonders gut. Er bezahlte so viel dafür, dass der Schuster Leder für zwei Paar Schuhe kaufen konnte.

 

Der Schuster schnitt also am Abend das Leder für zwei Paar Schuhe zu, betete zu Gott und legte sich ruhig schlafen.

Als er am nächsten Morgen aufstand,

da waren die zwei Paar Schuhe schon fertig auf dem Tisch. Es dauerte gar

nicht lange, bis wieder Käufer kamen

und einen guten Preis bezahlten.

Der Schuster konnte nun Leder für vier Paar Schuhe kaufen. Er fand morgens auch diese vier Paar Schuhe fertig und so ging es immerfort.

 

Was der Schuster abends zuschnitt und

für den nächsten Tag bereit legte,war am Morgen fertig. Bald schon war er ein reicher Mann.



Eines Abends, nicht lange vor Weihnachten, hatte der Mann wieder zugeschnitten und wollte sich schlafen legen. Da sagte er zu seiner Frau: „Wie wäre es, wenn wir diese Nacht aufblieben, um zu sehen, wer uns jede Nacht so viel hilft?“ Die Frau war gleich einverstanden und so nahmen sie eine Kerze und versteckten sich in einer Ecke hinter den Kleidern, damit man sie nicht sehen konnte.

Als es Mitternacht war, kamen zwei kleine, nackte Männlein. Sie setzten

sich an den Tisch des Schusters, nahmen die zugeschnittenen Teile und nähten und klopften und stachen so schnell, dass der Schuster es kaum

glauben konnte. Sie machten keine Pause bis alles fix und fertig auf dem Tisch stand. Dann sprangen sie schnell fort.

Am anderen Morgen sagte die Frau: „Die kleinen Männer haben uns reich gemacht, wir müssen doch dankbar sein und ihnen auch etwas schenken. Sie sind ja ganz nackt und müssen frieren. Ich will ihnen warme und hübsche Kleider nähen und Strümpfe stricken. Mache du jedem ein Paar Schühchen dazu.“

 

Der Mann war sehr zufrieden mit diesem Vorschlag. Als alles fertig war, legten sie die Geschenke abends auf den Tisch, wo sonst das zugeschnittene Leder gelegen hatte. Dann versteckten sie sich wieder, um zu sehen, was die Männlein tun würden.

Um Mitternacht kamen sie herein gesprungen und wollten gleich mit der Arbeit beginnen. Zuerst wunderten sich die Männchen, dass sie kein Leder fanden. Dann sahen sie die hübschen Kleider und bestaunten sie von allen Seiten. Sie zogen sich mit großer Geschwindigkeit die Sachen an, strichen über die weichen Stoffe, freuten sich wie Kinder und sangen:

 

        „Sind wir nicht Knaben glatt und fein?

         Was sollen wir länger Schuster sein!“

 Dann hüpften und tanzten sie über Stühle und Bänke bis zur Türe hinaus.

 

Von nun an kamen sie nie wieder.

Dem Schuster aber ging es so gut,

dass er glücklich war, solange er lebte.

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